Dresden: Weibliche Korporierte attackiert

Die Sächsische Zeitung berichtet:

Im Visier der Vermummten

Eine Gruppe Autonomer greift eine Frauen-Studentenverbindung unter dem Vorwand des Feminismus an. Was soll das?

Kann jemand Anspruch auf einen Stadtteil erheben, anderen den Zugang verwehren? Als fünf Frauen von der Dresdner Studentenverbindung Regina-Maria Josepha eine Kneipentour durch die Neustadt machen wollten, haben Autonome sie verjagt.

Dresden. Wie ein Fahndungsplakat sieht es aus. Elf Köpfe, elf Steckbriefe. „Druck machen“, fordern violette Großbuchstaben. Hundertfach hängt das Plakat auf dem Campus der TU. „Gegen Dresdner Identitäre und ihre Ideologie der Ausgrenzung“. Jedes Gesicht bekommt Details: Namen, Studiengänge, Geburtsdaten.

Hier fahndet nicht die Polizei. Auf Twitter veröffentlicht die Antifa Dresden Fotos von der Aktion, spricht von einem „Streich gegen Neonazis“. Auf SZ-Anfrage gibt sie an, nicht Initiator, wohl aber Befürworter zu sein: „Ein Outing dient dazu, das Agieren und Agitieren im öffentlichen sowie privaten Raum zu erschweren – oder mehr. Im Idealfall stellen die Menschenfeinde ihre Arbeit ein und alle möglichen Betroffenen ihres tödlichen Weltbildes müssen keine Angst mehr haben“, heißt es. Manche Kommentatoren ziehen lobend ihren „imaginären Hut“ vor der Aktion, andere verurteilen den „modernen Pranger“.

Und die Abgebildeten? Burschenschaftler sind dabei, Mitglieder von Kameradschaften, der rechtsextremen NPD und der Identitären Bewegung. Das erste Foto auf dem Plakat zeigt Freya H., 21. Blonde Mähne, große Augen, kleiner Mund. Mitglied in einer Verbindung für Studentinnen. Ihren gesichtslosen Gegnern war Freya schon Wochen zuvor begegnet. Persönlich.

Blinder Hass auf „braune Schlampen“

Es war an einem Dienstagabend Ende November. Freya und vier weitere Studentinnen stehen um 20 Uhr im Lichtkegel eines kleinen Häuschens am Albertplatz. Die Frauen gehören der 2009 gegründeten Studentenverbindung Regina-Maria Josepha zu Dresden an. Ähnlich wie männliche Verbindungen ein Cocktail aus Traditionen, Benimmregeln und Fleiß. Mit einem Hauch Staubkruste und einer dreifarbigen Schärpe. Gold für Wissenschaft, grün für Freundschaft, violett für Mut – so die Eigenbetrachtung. Anders als die oft ungeniert rechtsradikalen Burschenschaften betont der Damenbund, unpolitisch zu sein.

[…] Dann die Überquerung der Bautzener Straße. Plötzliche Nässe aus dem Nichts. Wie der kalte Blitz nach einem Saunagang. Ein Regenschauer? Ein Junggesellenabschied? Weder noch. Rund 25 Vermummte bauen sich vor sechs Frauen auf. Mit Wassereimern und einem großen Banner: „Gegen Deutschland, für Feminismus“. Wie fleischgewordene Schatten drängen sie die Frauen vom Kneipenviertel ab. Dass eine Journalistin dabei ist, interessiert sie nicht. „Selbst schuld, wenn man sich mit braunen Schlampen abgibt“, brüllt einer. „Ihr habt nichts in der Neustadt zu suchen“, ein anderer.

Wer sein Handy herausholt, bekommt den nächsten Eimer Wasser in den Kragen. Passanten rahmen das Spektakel. Junge Kneipengänger, ältere Arbeits-Heimkehrer. Keiner greift ein. Nachdem die Frauen die Straße überquert haben, lassen die Autonomen von ihnen ab. Einige bleiben auf dem Platz stehen. Eine der Frauen ruft die Polizei. In die Neustadt könnten sie wohl einfach nicht gehen, sagt die Gruppe resigniert. […]

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