Krude Assoziationen in der Oberhessischen Presse

Die Oberhessische Presse, die Lokalzeitung von Marburg und Umgebung, titelt heute:

Reichs-Feier: Kritik an Burschenschaft

Die Studentenverbindung „Germania Marburg“ übernimmt den Vorsitz über den als rechtsextrem geltenden Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) und will das mit einem Reichsgründungs-Fest feiern.

Die Zeitung zeichnet sich schon länger durch eine Berichterstattung aus, die den Eindruck erweckt, nicht von journalistischer Neutralität und Distanz geprägt zu sein. Das trifft derzeit vor allem die Marburger Burschenschaft Germania. In nur wenigen Worten liefert der aktuelle Artikel ein gutes Beispiel:

  • Die Rede ist in der Überschrift von „Reichs-Feier“, später von „Reichsgründungs-Fest“. Damit sollen in dem (flüchtigen?) Leser Assoziationen zu einem „Reich“ – im Sinne des Autors vermutlich dem „Dritten Reich“ – erweckt werden. Allerdings bezieht sich die Veranstaltung, die tatsächlich „Reichsgründungskneipe“ heißt, auf die Gründung des Deutschen (Kaiser-) Reichs am 18. Januar 1871.
  • Solche Reichsgründungskneipen sind keine besondere Veranstaltung, sondern gehören bei vielen Studentenverbindungen zum jährlichen Veranstaltungsreigen. Manche Verbindungen wurden sogar explizit an diesem Jahrestag gegründet, um auf das historische Ereignis Bezug zu nehmen. Mitnichten also ist die Übergabe des Verbandsvorsitzes der Deutschen Burschenschaft Anlass für diese Kneipe, sondern es handelt sich um die praktikable Zusammenlegung zweier Veranstaltungen. Denn die Übergabe der Amtsgeschäfte wird traditionell mit einer Kneipe begangen.
  • Ganz nebenbei wird der Verband Deutsche Burschenschaft als „rechtsextrem“ attributiert. Diese Zuschreibung ist so pauschal wie falsch und findet sich in dieser Form lediglich bei politischen Gegnern des Verbands. Sowohl die Wissenschaft als auch – bei diesem Vorwurf zuständige – Verfassungsschutzbehörden teilen diese Einschätzung nicht. So antwortete die Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage im Bundestag zuletzt:
    „Die ganz überwiegende Zahl der Mitgliedsburschenschaften unterhält keine Kontakte zu Rechtsextremisten“und

    „auch zum jetzigen Zeitpunkt liegen hinreichende Anhaltspunkte für Bestrebungen, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtet sind, nicht vor“

    Wir möchten natürlich nicht verschweigen, dass einzelne Burschenschaften innerhalb des Verbands wissenschaftlich und behördlich gelegentlich als rechtsextrem eingeordnet werden. Dies lässt sich aber nicht auf den Verband verallgemeinern, wie es die Oberhessische Presse praktiziert.

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Eine Antwort zu Krude Assoziationen in der Oberhessischen Presse

  1. J.-R. Gödderz schreibt:

    Die Marburger Oberhessische Presse ist seit Jahrzehnten bekannt dafür, unter dem Deckmantel der Pressefreiheit tendenziös, populistisch und opportunistisch aufzutreten und zu berichten. Bestenfalls werden „Irrtümer“ eingeräumt, für die Folgen der Berichterstattung ist man ja traditionell vermöge seiner Meinungsfreiheit nie verantwortlich. Es spielte und spielt auch keine Rolle, unter welchem Zeitgeist das geschieht. In den dreißiger Jahren so, heute so. Und morgen? Mal sehen, was die Oberhessische Presse demnächst für eine Richtung vertritt. Man muß wahrscheinlich nur die temporären lokalen Mehrheits- und Meinungsverhältnisse analysieren, dann weiß man das mit hoher Wahrscheinlichkeit.
    Wehe, man gehört oder gehörte zu einer Minderheit, von der die Oberhessische Presse glaubt, sie sei wehrlos.
    Der Stil erinnert in einigen Formen an die Methodik des Völkischen Beobachters. Gegen den waren sämtliche möglichen und unmöglichen Minderheiten damals auch wehrlos. Die damaligen Schmierfinken waren mit die Wegbereiter des Holocausts.
    Und wer ist heute für was „Wegbereiter“?
    Prosit Pressefreiheit.

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