Beispiel für tendenziöse Berichterstattung

Ein Artikel bei Spiegel Online über das Verbandstreffen des Allgemeinen Pennäler Rings, eines Verbands von Schülerburschenschaften, zeigt die Mechanismen und Stilmittel von Journalisten auf, deren Ziel die gezielte Abwertung von Korporationen ist. Im Folgenden soll der Artikel eingehend analysiert werden.

Schülerburschen-Treffen in Hamburg: Säbel, Weißbier, Provokationen

Schon die Überschrift macht klar: Im Folgenden wird es polemisch und plakativ.

Auch Schülerburschenschaften bescheinigen Verfassungsschützer eine rechtsextreme Gesinnung.

Der Journalist „Amadeus Ulrich“ lässt hierbei unter den Tisch fallen, dass nur eine einze Schülerburschenschaft in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zur Steigerung der Dramatik bleibt der Autor aber lieber unscharf.

Für ihr Jahrestreffen finden sie Unterschlupf in einem Hamburger Verbindungshaus – und verschanzen sich hinter blickdichten Vorhängen.

Sie kommen im Anzug und mit Sonnenbrille, erkannt werden wollen sie nicht. Fragen beantworten sie nicht, schweigend gehen sie zur Tür des rotbraunen Hauses.

Das Treffen der Schüler findet im geschlossenen Kreis statt. Das ist nichts ungewöhnliches, aber durch die Betonung des klandestinen Charakters kann man davon ablenken, warum die Schüler lieber unter sich bleiben: Journalisten und Fotografen mit dem politischem Auftrag, jedem der Teilnehmer eine verwerfliche politische Meinung nachzuweisen.

Am Balkon flattert eine große Deutschlandflagge, allerdings hängt sie verkehrt herum.

Innerhalb von wenigen Sekunden Internetrecherche kann man herausfinden, dass die Farben der Hamburger Burschenschaft Germania die Farben Gold-Rot-Schwarz sind. Man kann auch hier annehmen, dass der Autor dies weiß, aber indirekt lieber andeuten will, dass die Burschenschafter mit der „verkehrtherum aufgehängten Flagge“ eine staatsfeindliche Haltung einnehmen. Wie man an den Kommentaren im Spiegel-Forum erkennen kann, fällt dieser Plan auf fruchtbaren Boden.

[…]

Klingeln. Ein Mann mit Burschen-Kappe und Band – eine Art bunter Schärpe – öffnet die Tür. „Verlassen Sie sofort dieses Grundstück“, sagt er aus dem Dunklen und hebt drohend die Hand. „Heute gibt es keine Auskunft.“

Wie genau die Gestik des Hausherrn aussah, wird nicht erläutert. Vermutlich bleibt der Autor auch hier absichlich im vagen.

Keine Auskunft also. Dabei wäre sicher interessant zu erfahren, was hinter den Vorhängen geschieht. […]

Vermutlich ist es dem Autor ganz recht, dass er nicht in das Haus darf. Auf diese Weise darf er allerlei Vermutungen anstellen, wie sich schon gleich zeigen wird.

Erst vor zwei Monaten erregten Schülerburschenschaften Aufsehen. Die Chattia Friedberg zu Hamburg trug eine Säbelmensur gegen eine andere sogenannte pennale Burschenschaft aus, damals im Haus der Burschenschaft Germania zu Königsberg nahe der Universität. Die Schülerburschen schlagen in dem Ritual mit stumpfen Säbeln auf ihre nackten Oberkörper – nicht wie die studentischen Burschenschafter auf den Kopf. Auch Minderjährige dürfen teilnehmen. Mit dabei war auch ein Kandidat der örtlichen NPD, der bei der Gelegenheit einen Pressefotografen tätlich angriff.

Hier wird auf einen Artikel bei Spiegel Online verwiesen, bei dem schon damals eine in Schülerverbindungen übliche Säbelmensur massiv dramatisiert wurde. Das Schlimmste war sicherlich, dass ein „Kandidat der örtlichen NPD“ anwesend war.

[…] Auch an diesem Wochenende könnte es wieder zu derartigen Säbelduellen kommen.

Eine interessante Vermutung. Es wäre das erste Treffen eines korporativen Verbands, bei dem „Säbelduelle“ (oder andere Mensuren nach studentischem Brauch) ausgetragen würden. So etwas ist ganz im Gegenteil sogar in der Regel bei Strafe verboten.

[…] Gegen 9 Uhr an diesem Samstagvormittag rückt die Polizei mit mehreren Einsatzwagen an und sperrt die Straße ab. Wenig später trifft der letzte Burschenschafter am Germanen-Haus ein. Ausnahmsweise verbirgt er sein Gesicht nicht. Doch als ein Journalist ihn fotografiert, geht er auf ihn zu und klatscht seine Hand gegen die Kameralinse. „Dürfen Sie das überhaupt?“, fragt er lautstark. Wenig später steht er auf dem Balkon des Verbindungshauses, in der Hand ein Weizenbier. „Ihr solltet mal lieber Bier trinken, ihr Deppen!“, ruft er den Journalisten und Polizisten von seinem sicheren Refugium aus entgegen.

Da man also nicht ins Haus kann, auch sonst nichts erfährt, muss ein frecher Schüler als Beweis für gefährliche Umtriebe herhalten.

[…] Sogleich bauen die Demonstranten Lautsprecher auf, beschallen das Germanen-Haus mit Musik. 200 Teilnehmer sollen es laut Polizei werden. „Solche Veranstaltungen haben keinen Platz in Hamburg“, ruft ein Wortführer ins Mikro. Vier Männer in Burschenschaftskluft haben sich indes auf dem Balkon versammelt und lachen über die Parolen der Demonstranten. Die halten ein Plakat hoch: „Noch so jung und schon so scheiße!“

[…] Gegen Mittag füllt sich die Sierichstraße weiter mit Demonstranten. Friedlich halten sie ihre Plakate hoch und brüllen gegen die Ideologie der Schülerburschen an. Als eine Demonstrantin das Wort ergreift und über Frauenrechte spricht, halten die Schülerburschen auf dem Balkon die Pappfigur einer halbnackten Blondine hoch. „Wir haben nix gegen Frauen“, feixen die Schülerburschen, die ausschließlich Männer aufnehmen.

Merkwürdig bleibt diese Schilderung über die Demonstranten. Kritik an der heftigen Wortwahl („schon so scheiße“) oder an der Beschallung mit Musik? Fehlanzeige. Vermutlich weil der Autor selbst gerne „gegen de Ideologie der Schülerburschen anbrüllen“ würde.

Zwischen den Demonstranten steht ein Mann Mitte 80. Er hält ein Plakat hoch: „Fremdenhass, Gewalt, Diktatur. Nie wieder 1933“. Es sei ihm wichtig, dass viele es sehen, sagt der ältere Herr – besonders die junge Generation.

Offen bleibt, ob der Herr nun gegen die teilweise gewaltbereiten Protagonisten protestierte, die gegenüber traditionellen Minderheitenkulturen intolerant sind und oft mit politischen Ideologismen liebäugeln, oder ob sich sein Protest gegen die Burschenschaften richtete.

spiegel.de/unispiegel/studium/dachverband-der-schuelerburschenschaften-trifft-sich-in-hamburg-a-909810.html

 

Ergänzung (11. Juli 2013): Einer unserer Leser, Mitglied der Königsberger Burschenschaft Germania zu Hamburg, schrieb uns:

zu Ihrer Darstellung:

„Hier wird auf einen Artikel bei Spiegel Online verwiesen, bei dem schon damals eine in Schülerverbindungen übliche Säbelmensur massiv dramatisiert wurde. Das Schlimmste war sicherlich, dass ein “Kandidat der örtlichen NPD” anwesend war.“

folgende Ergänzung:

Der Betreffende ist aus der NPD vor einiger Zeit ausgetreten. Er ist nicht NPD-Mitglied, deshalb wird er auch als „NPD-Kandidat“, der er vor zwei Jahren war, tituliert. Der Herr vom NDR war der einzige, der diesen Herrn kannte und erwartete. Die ganze Show war wegen dieses ehemaligen NPD-Mannes veranstaltet worden.

Der NDR hat über das Treffen bei Germania Hamburg groß berichtet, aber immerhin auch folgenden Satz geschrieben:

„Ein Sprecher des vom Verfassungsschutz als „linksextremistisch beeinflusst“ eingestuften Hamburger Bündnisses gegen Rechts erläutert, warum sie hier protestieren …“

Ansonsten vermisst man jeglichen Hinweis auf die politische Qualität der Demonstranten in allen anderen Veröffentlichungen.

Bislang haben wir nach der „Säbelei“ von den Medien zwei strafbewehrte Unterlassungserklärungen, eine Richtigstellung der Morgenpost und ein Schreiben des Chefreporters dieser Zeitung, wir wären definitiv nicht rechtsextrem sondern erzkonservativ, was “ .. völlig in Ordnung sei.“ Es geht dabei vorrangig um rechtswidrig von [U.] angefertigte Bilder.

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